Samstag, 23. August 2008

Grasgrün.

Die USA werden immer umweltfreundlicher! Auf lange Sicht gesehen werden sie sogar die grünste Nation der ganzen Welt! Bestes Indiz: Die Population der Amish hat sich in den letzten paar Jahrzehnten massiv vergrößert. Bestehende Siedlungen wurden erweitert, neue gegründet und die "Mitgliederzahl" hat sich gar verdoppelt (Kein Wunder bei durchschnittlich 6,8 Kindern pro Familie).

Freitag, 22. August 2008

Acetositilcefuroxima

Gesundheit ist ein ziemlich großes Thema in den USA, weil Behandlung nicht wie in Deutschland jederzeit und vor allem nicht "einfach so" erfolgt. Man wird nicht blutend auf der Strasse liegen gelassen, aber man sollte sich vielleicht nicht drauf verlassen, dass der Eid des Hippokrates mächtiger ist als die Anweisung des Abteilungsbuchhalters. Deshalb ist Krankenversicherung durch den Arbeitgeber und Werbung für Krankenversicherungen auch ein Riesen-Thema (!)(die anderen wichtigen Themen in der Werbung sind übrigens "become green", "get more education" und "Was tun gegen Haarausfall?"!).

Wer in den USA zum Doktor will muss den erstmal finden. Ärzte gibt zwar an jeder Ecke, aber das Schild weist in der Regel das Tätigkeitsfeld als amerikanische Version des Lateinischen aus: Ein Augenarzt ist ein Ophtalmologist.

Für eine Mandelentzündung braucht man einen HNO-Arzt (oder irgendeine "family practice"). Im Englischen ist ein HNO im einfachsten Fall ein Throat-Nose-Ear-Doctor. Im komplizierteren Fall ist er das immer noch, hat aber vier Praxen über ganz New York verteilt von denen er jede nur einen Tag die Woche betreibt. Also hat man Zeit sich zu überlegen, ob man wirklich krank ist, ob es sich tatsächlich um was Ernstes handelt, was passiert wenn man es verschleppt und ob der bisherige Heilungsprozess (und die aktuellen Schmerzen) einen Arztbesuch (und die anfallenden Kosten für "self-pay") rechtfertigen. Wenn er das tut ist der Tag auch schon ran bei dem die Praxis in der Nähe geöffnet hat und schon steht man drin. Zusammen mit 20 russischen Mitbürgern (je nach Stadtviertel auch eine andere Nationalität). Alle reden Russisch und als Tourist ohne Termin is sowieso nich gut... Aber für Westgeld tun die auch alles und deshalb kommt man auch ohne Termin dran. Wenn man denn alle Formulare ausfüllt (Personalien, Symptome, Vorgeschichte, Allergien, Krankenversicherungen (man kann zwei eintragen), Sozialversicherungsnummer). Vielleicht täuschte mich der der Eindruck aber als sofort und bar zahlender Patient war ich besser dran als wäre ich in Deutschland privat versichert: fünf Minuten Wartezeit bei vollem Haus. Danach nahm eine nette Schwester (mit russischem Akzent!) erneut meine Symptome, meine Vorgeschichte und meine Allergien auf und Schwupps stand der Doktor vor mir. Wie Doktoren das halt so machen stellte auch dieser die notwendigen Fragen ("Wen hast du geküsst?), guckte in Hals, Nase, Ohren und lies dabei die Tür zum Wartezimmer offen (Krankheiten sind für alle da!).

Am Ende standen die Diagnose und zwei Rezepte. Gekostet hat mich das nette Gespräch $125,00.

Gesund und munter für nen guten Hunderter (in richtigem Geld). Billiger ist das in Deutschland sicher auch nicht... Nur Bargeld (oder wenigstens ne Kreditkarte) sollte man haben.

PS: Nach der Zahnarzthelferin isses nu die pharmacy intern... :)

Donnerstag, 21. August 2008

Unser kleiner Simulant und Hypochonder.

Dies ist ein Beitrag aus der Reihe: "Krankheiten live getestet".
Heute: Die Mandelentzündung.

Alkohol! Der Pitcher für $6,50. Und saufende Frauen, Musik, Stimmung, Freitag-Abend, Praktikanten und Bier-Pong (Kategorie: American Sports). Und am nächsten Morgen ein rauer Hals. Bis Sonntag war der Hals ein schmerzhafter Batzen und Schlucken die Hölle. Mandeln geschwollen, seltsames weißes Zeugs im Mund, Müdigkeit und der Unwille einen Arzt zu belästigen ("Klar, manchmal entzündet sich was, schwillt an und wird schwarz. Doch wir gehen nicht zum Arzt!"). Nun kann man sich bei manchen Krankheiten leider vorher nicht vorstellen, wie sehr sie einen stören. Der verrenkte Hals, die Blase am Hacken, oder dieser lästige kleine Ausschlag im Genitalbereich. Alles sehr unschön aber nicht primär lebensgefährlich. Und Schmerzen beim Schlucken sind so ähnlich. Man glaubt nicht wie nervig es ist, bis man es mal versucht. Interessanterweise muss man auch nachts relativ viel schlucken und so ist das mit dem Schlaf eine leicht unentspannte Angelegenheit. So war die Nacht von Sonntag auf Montag eher unschön aber ein Wochenbeginn ist sicher eine bessere Arzt-Zeit als ein Sonntagabend.

Tja, Montagmorgen (nachdem man 2 Stunden geschlafen hat) ist das mit dem Schlucken natürlich aber schon wieder besser und man freut sich, dass man das ganze hinter sich lassen wird. Pustekuchen. Zum Feierabend ringt man sich durch, ein Fieberthermometer zu kaufen (Wann hat man Fieber in Fahrenheit?) und wenn man kein Fieber hat: Abwarten oder das weiße Zeugs als Warnung nehmen und wegen ner Mandelentzündung behandeln lassen? Dienstag fingen dann die Ohren an wehzutun, während das mit dem Schlucken besser ging und die Schwellung der Mandeln zurückgegangen war: Na klasse. ne wandernde Entzündung. Also doch mal nen Arzt aufgesucht. Oder besser probiert: Der hatte Dienstag zu.

Aber Mittwoch hat es geklappt und ich danke Alexander Flemming an dieser Stelle für die Erfindung des Penicillins: eine Errungenschaft so genial wie "sliced bread" (englisches Idiom).

Montag, 18. August 2008

Anzeige.

Der wehrte Herr Kollege vom lawblog hat in seinem Fundus ein leckeres Stück Beitrag zu den Tücken des amerikanischen Gesetzes: Link.
Ging darum, dass ein Tourist eingesperrt wurde und keine Chance hatte sich zu wehren, da er eigentlich nicht in den USA sein durfte (ihm wurde die Einreise an der Grenze verwehrt), aber doch drin war (man nahm ihn mit zur Vernehmung) und ja nichtmal auf illegalem Weg (als illegaler Einwanderer hätte er wieder Rechte gehabt) eingereist war. Und dann hat er wohl noch irgendwann was von Asyl (aus Angst vor der Rückkehr nach Italien!) erzählt... (Ähnlichkeiten zum Film "Terminal" mit Tom Hanks sind sicher rein zufällig)

Und des Pudels Kern: Man sollte die Sache mit dem amerikanischen Sicherheitsinteresse (Protektionismus!) und den daraus folgenden Maßnahmen nicht vergessen. Sie spielen meistens keine Rolle und gehen im normalen Kulturschock in der Regel unter aber hier und da blitzt die amerikanische Angst vor Terror und fremder Einwanderung auf und dann kann es auch mal unangenehm werden. Der Amerikaner reagiert aufgrund eines völlig anderen Selbstverständnis (z.B. des Freiheitsbegriffs) und anderer (schlechter) Erfahrungen mit der Welt hier und da etwas anders (was allein schon gewöhnungsbedürftig sein kann) und manchmal auch härter.
Also was zum Mitschreiben: Wenn man durch den freundlichen Antiterrorspezialisten gebeten wird sich ganz langsam zu bewegen, sollte man nicht anfangen zu grinsen und zu winken.

Sonntag, 17. August 2008

Ja wo laufen sie denn?

Insbesondere in Manhattan sollte das mit der Orientierung ja eigentlich kein Problem sein. Avenues von Nord nach Süd mit von West nach Ost zunehmender Nummer und Straßen von West nach Ost mit von Süden her zunehmender Nummer. Das Prinzip ist einfach und trotzdem tückisch. Zum Beispiel wegen der "Ausnahmen". Ganz offensichtliche Ausreißer sind zum Beispiel der Broadway oder die völlig unbekannte Saint Nicholas Ave nördlich des Central Parks. Schief und krumm die beiden...
Dann is da noch die "Avenue of the Americas". Eigentlich ist sie die 6 ave, nur steht das in dem Moment in dem man das gerne wissen wollen würde (weil man nicht weiß wo man aus der U-Bahn gestiegen ist) natürlich nirgendwo.
Die Park Avenue liegt nicht am Park und die 1st ave auch nicht am East River. Wär ja dann auch doch zu einfach mit dem schön geordneten Stadtplan gewesen. Dafür gibts östlich von der first aber AV A, AV B, AV C,.. und die New York Ave.

Straßen tragen westlich der 5th ave (die den Central Park östlich begrenzt) das kürzel "W" und östlich das Kürzel "E" (z.B. E 21). Damit is dann grob klar auf welcher Seite von Manhattan man sich gerade verlaufen hat.

Tückisch und aus eigener Erfahrung nie zu unterschätzen ist die pure Größe von Manhattan (und von Rest-New-York). Wer von der 4 ave zur first ave will sollte bedenken, das Manhattan etwa 4 Kilometer breit ist . Wer sich also 3 mal am Tag verläuft (oder glaubt er könne das mal eben alles erlaufen) hat zwar einiges von der Stadt gesehen aber das normale Touristenpensum an zumutbarer Wegstrecke schon deutlich strapaziert (Der Abstand 4. zu 1. ave sind etwa 900m). Darum merke: Die U-Bahn ist dein Freund.

Süd-Manhattan (und die Lower West-Side) ist übrigens die Ausnahme von allem: Straßen kreuz und quer und alle mit richtigen Namen. Die Gegend ist zwar nett aber wer drei mal an der Wall Street vorbeigelaufen ist braucht abends auch neue Füße.

Zur Benutzung der U-Bahn im Zusammenhang mit dem Erlaufen der Stadt noch etwas: Man sollte sich vorher informieren was die dem Ziel NÄCHSTgelegene U-Bahn-Station ist und diese auch anfahren. Die zweitbeste Station ist nie so nah, wie man das vorher geglaubt hat... (man sollte hierbei auch lieber einem richtigen Stadtplan als der subway-map vertrauen).

Ach und noch was: Der Abstand zwischen zwei Avenues ist deutlich größer als zwischen zwei Straßen. Und Queens ist noch viel größer und außerdem verlaufen Straßen und Avenues nicht streng an den Himmelsrichtungen ausgerichtet.

Wer sich trotz dieser Hinweise nicht zurechtfindet sei dringenst auf folgendes Internetprojekt hingewiesen: Neu-York.