Sonntag, 31. August 2008

The next please.

Kulturimperialisten britischer Prägung müssen es gewesen sein, die dem Amerikaner die Schlange nahe gebracht haben. Miese Kulturfaschisten haben diese menschenverachtende Angelegenheit dann um den nur sprichwörtlich schlechten deutschen Service ergänzt und das Monster der Amerikanischen Kassiererin geschaffen.
Einmal in die Mühlen der "line" hineingeraten kommt man da so schnell nicht wieder raus. Geregelt durch Absperrbänder (Disneyland-Serpentinen) und klare Anweisungen ("Line starts here." "Next!") ist man dem sadistischen Fluss der Zeit gnadenlos ausgeliefert und man befindet sich in einer Sphäre ureigener Langsamkeit.
Wer je gesehen hat, wie behäbig eine amerikanische Verkäuferin Ware bewegen kann, wie schleichend man eine Scannerkasse benutzen kann, wie lange es dauern kann Ware einzutüten (selbstverständlich drei Tüten pro Stück), wie desinteressiert man am Kunden sein kann (Wozu sollte ich eine neue Kasse aufmachen wenn ich doch meinen Joghurt noch nicht fertig gegessen habe?) und wie geringschätzig die Umgebung gemustert werden kann, wird niemals wieder ein schlechtes Wort über deutsches Verkaufspersonal verlieren.

Wie die Kinder...

Zivilisation in der Wüste. IKEA in Brooklyn.

Es gibt hier Sachen, die gibts nicht - nicht zu kaufen. Seit ner guten Woche suche ich eine große Tasse (als Kornflakesschüssel) und bis gestern fand ich keinen Laden der sie verkauft. Also beschloss ich mal zu IKEA zu fahren...
Bus-Shuttle von der U-Bahn und viele Leute mit Tüten und Päckchen und meist nicht-englischer Kommunikation. Andrang als ob die Beatles noch ein letztes Mal gemeinsam auftreten würden... So empfängt New Yorks flat packed store #1 seine ahnungslosen Besucher. Und verkauft auch keine großen Tassen!
Der Ami läuft gern auch entgegen der empfohlenen Laufrichtung, hat Polizisten an der Kasse ist von den ganzen tollen Sachen ausgesprochen beeindruckt, versteht nicht wieso er die Möbel selber aufbauen soll, wieso man die gelben Tüten gegen blaue austauschen muss (und wieso man die dann bezahlen soll) und verkauft seine Hot Dogs zwar für 50 cent, dafür aber ohne Zwiebeln und Sauerkraut! Die Pflanzenabteilung fristet ein einsames Dasein (und das wo "Sparsam" für 1,50 + 1 Dollar für den Topf angeboten wird) und die Service-Schalter sind STARK belagert. Die Schlange am schwedische-Spezialitäten-Shop ist lang genug um darin den halben Nachmittag zu verbringen und im Restaurant gehts zu wie Freitag Nachmittag im ICE.
Aber sie werden es schon noch lernen...

PS: Man haut uns Europäer bei den Energiesparlampen preislich mächtig übers Ohr.
PPS: Montag ist Labour Day - also frei!

Samstag, 23. August 2008

Grasgrün.

Die USA werden immer umweltfreundlicher! Auf lange Sicht gesehen werden sie sogar die grünste Nation der ganzen Welt! Bestes Indiz: Die Population der Amish hat sich in den letzten paar Jahrzehnten massiv vergrößert. Bestehende Siedlungen wurden erweitert, neue gegründet und die "Mitgliederzahl" hat sich gar verdoppelt (Kein Wunder bei durchschnittlich 6,8 Kindern pro Familie).

Freitag, 22. August 2008

Acetositilcefuroxima

Gesundheit ist ein ziemlich großes Thema in den USA, weil Behandlung nicht wie in Deutschland jederzeit und vor allem nicht "einfach so" erfolgt. Man wird nicht blutend auf der Strasse liegen gelassen, aber man sollte sich vielleicht nicht drauf verlassen, dass der Eid des Hippokrates mächtiger ist als die Anweisung des Abteilungsbuchhalters. Deshalb ist Krankenversicherung durch den Arbeitgeber und Werbung für Krankenversicherungen auch ein Riesen-Thema (!)(die anderen wichtigen Themen in der Werbung sind übrigens "become green", "get more education" und "Was tun gegen Haarausfall?"!).

Wer in den USA zum Doktor will muss den erstmal finden. Ärzte gibt zwar an jeder Ecke, aber das Schild weist in der Regel das Tätigkeitsfeld als amerikanische Version des Lateinischen aus: Ein Augenarzt ist ein Ophtalmologist.

Für eine Mandelentzündung braucht man einen HNO-Arzt (oder irgendeine "family practice"). Im Englischen ist ein HNO im einfachsten Fall ein Throat-Nose-Ear-Doctor. Im komplizierteren Fall ist er das immer noch, hat aber vier Praxen über ganz New York verteilt von denen er jede nur einen Tag die Woche betreibt. Also hat man Zeit sich zu überlegen, ob man wirklich krank ist, ob es sich tatsächlich um was Ernstes handelt, was passiert wenn man es verschleppt und ob der bisherige Heilungsprozess (und die aktuellen Schmerzen) einen Arztbesuch (und die anfallenden Kosten für "self-pay") rechtfertigen. Wenn er das tut ist der Tag auch schon ran bei dem die Praxis in der Nähe geöffnet hat und schon steht man drin. Zusammen mit 20 russischen Mitbürgern (je nach Stadtviertel auch eine andere Nationalität). Alle reden Russisch und als Tourist ohne Termin is sowieso nich gut... Aber für Westgeld tun die auch alles und deshalb kommt man auch ohne Termin dran. Wenn man denn alle Formulare ausfüllt (Personalien, Symptome, Vorgeschichte, Allergien, Krankenversicherungen (man kann zwei eintragen), Sozialversicherungsnummer). Vielleicht täuschte mich der der Eindruck aber als sofort und bar zahlender Patient war ich besser dran als wäre ich in Deutschland privat versichert: fünf Minuten Wartezeit bei vollem Haus. Danach nahm eine nette Schwester (mit russischem Akzent!) erneut meine Symptome, meine Vorgeschichte und meine Allergien auf und Schwupps stand der Doktor vor mir. Wie Doktoren das halt so machen stellte auch dieser die notwendigen Fragen ("Wen hast du geküsst?), guckte in Hals, Nase, Ohren und lies dabei die Tür zum Wartezimmer offen (Krankheiten sind für alle da!).

Am Ende standen die Diagnose und zwei Rezepte. Gekostet hat mich das nette Gespräch $125,00.

Gesund und munter für nen guten Hunderter (in richtigem Geld). Billiger ist das in Deutschland sicher auch nicht... Nur Bargeld (oder wenigstens ne Kreditkarte) sollte man haben.

PS: Nach der Zahnarzthelferin isses nu die pharmacy intern... :)

Donnerstag, 21. August 2008

Unser kleiner Simulant und Hypochonder.

Dies ist ein Beitrag aus der Reihe: "Krankheiten live getestet".
Heute: Die Mandelentzündung.

Alkohol! Der Pitcher für $6,50. Und saufende Frauen, Musik, Stimmung, Freitag-Abend, Praktikanten und Bier-Pong (Kategorie: American Sports). Und am nächsten Morgen ein rauer Hals. Bis Sonntag war der Hals ein schmerzhafter Batzen und Schlucken die Hölle. Mandeln geschwollen, seltsames weißes Zeugs im Mund, Müdigkeit und der Unwille einen Arzt zu belästigen ("Klar, manchmal entzündet sich was, schwillt an und wird schwarz. Doch wir gehen nicht zum Arzt!"). Nun kann man sich bei manchen Krankheiten leider vorher nicht vorstellen, wie sehr sie einen stören. Der verrenkte Hals, die Blase am Hacken, oder dieser lästige kleine Ausschlag im Genitalbereich. Alles sehr unschön aber nicht primär lebensgefährlich. Und Schmerzen beim Schlucken sind so ähnlich. Man glaubt nicht wie nervig es ist, bis man es mal versucht. Interessanterweise muss man auch nachts relativ viel schlucken und so ist das mit dem Schlaf eine leicht unentspannte Angelegenheit. So war die Nacht von Sonntag auf Montag eher unschön aber ein Wochenbeginn ist sicher eine bessere Arzt-Zeit als ein Sonntagabend.

Tja, Montagmorgen (nachdem man 2 Stunden geschlafen hat) ist das mit dem Schlucken natürlich aber schon wieder besser und man freut sich, dass man das ganze hinter sich lassen wird. Pustekuchen. Zum Feierabend ringt man sich durch, ein Fieberthermometer zu kaufen (Wann hat man Fieber in Fahrenheit?) und wenn man kein Fieber hat: Abwarten oder das weiße Zeugs als Warnung nehmen und wegen ner Mandelentzündung behandeln lassen? Dienstag fingen dann die Ohren an wehzutun, während das mit dem Schlucken besser ging und die Schwellung der Mandeln zurückgegangen war: Na klasse. ne wandernde Entzündung. Also doch mal nen Arzt aufgesucht. Oder besser probiert: Der hatte Dienstag zu.

Aber Mittwoch hat es geklappt und ich danke Alexander Flemming an dieser Stelle für die Erfindung des Penicillins: eine Errungenschaft so genial wie "sliced bread" (englisches Idiom).