Dienstag, 7. Oktober 2008

Ich drehe mich im Kreis.

Actionreich war der Tag. Und doch Wiederholung. Denn alles dreht sich immer im Kreis. Fügt sich an wenigen Punkten zusammen und der Zufall formt wunderschöne Muster.

Meine Mäusejagd heute wiederholte meine Gedanken des letzten Abends und erinnerte mich an die entlaufene Ratte meiner Mitbewohnerin: Der panische Hinweis der Tochter keine Mausefalle zu kaufen die mit Klebstoff arbeitet weil die Tiere dort elendig verenden.

Eine Diskussion über den Wert der Freiheit, die Einordnung eines Präventivkrieges, das rechte Maß und das spätere Anstupsen genau dieses Motivs im übrigens gelungenen Film "Eagle Eye" (den ich nach der Mäusejagd und nach der früher am Tag erfolgten Diskussion ansah).

Und das allein heute... Oft ist es bereits passiert: Das "Two Girls One Cup" T-Shirt in Leipzig, das Gespräch mit meinem Chef über die Amish, das Lesen von Statistiken und das zufällig am nächsten Tag geführte Gespräch bei dem eben jene Zahlen wichtig sind. Zufälle gibts. Oder nicht.

Montag, 6. Oktober 2008

Die unendliche Geschichte.

In der fernen Heimat lief vor ein paar Monaten die N24-Reportage über die schwierige Verlegung der "Intrepid" (Flugzeugträger und Museum) vom Hudson River in ein Reparaturdock zur Erweiterung und Überholung und ich dachte mir damals schon das das ja doof sei, weil ich das Ding dann gar nicht angucken kann. Mist.

Vor ein paar Wochen war ich auf Staten Island und dort fand ich die "Fighting One" unerwarteterweise in ihrem Reparaturdock. "Hei" sagte ich mir "Dann haste wenigstens nen Photo und das Ding mal gesehen.".
Letzte Woche las ich dann in der Zeitung, dass sie Donnerstag wieder an ihren alten Liegeplatz zurückgeschleppt werden würde und Freude keimte in mir auf, das man das Ding dann ja doch dann besichtigen können würde. Also dieses Wochenende alle greifbaren Kollegen geschnappt und eine Besichtigungstour zum Liegeplatz organisiert.
Dort angekommen dann das Schild gefunden: "Wir öffnen wieder am 8. November" - Bockmist! - Also werde ich im November wieder kommen! Und vermutlich wird das Boot dann wegen Überfüllung oder Nordkorea oder dem geschützten gemeinen Seebiber geschlossen sein...

What shall we do with the drunken sailor?

Ein Beitrag aus der Reihe "Traffic Special" und ein ungeplantes Extra mit dem Fokus auf dem maritimen Sektor des lokalen Transportwesens.

New York besteht aus Inseln. Der Einzige Teil der nicht von wilden Fluten umspuelt ist, ist die Bronx. Und dorthin hat seit Jahren kein weisser Mann mehr einen Fuss gesetzt (Anmerkung: Dramatisiert. Muss nicht stimmen.). Queens und Brooklyn liegen auf Long Island. Roosevelt, Governors, Liberty, Ellis und Staten Island sind separate Inseln und selbst Manhattan liegt zwischen East und Hudson River ohne Festlandanschluss.
Wo Wasser ist sind auch Schiffchen und um die soll es jetzt gehen:

Staten Island Ferry

Von der U-Bahn-Haltestelle South Ferry im aeussersten Sueden Manhattans kann man mit wenigen Schritten auf die halbstuendlich verkehrende Staten Island Ferry wechseln und sich auf die Wohn-Insel Staten Island fahren lassen. Auf der Insel gibt es meiner Meinung nach nicht allzu viel ausser einer wenig besuchten (aber nicht allzu schlechten Einkaufsmeile), einem Golfplatz, einem Naturschutzgebiet, vielen sehr amerikanischen Wohnhaeusern, ein paar Friedhoefen und sicher auch Strand aber die Faehre hat drei Vorteile: Zum einen faehrt sie in beinahe-Photo-Distanz an der Freiheitsstatue vorbei und man kann sich deshalb den Trip zur Freiheitsinsel sparen (lauter Touristen drauf), zum Anderen ist sie kostenlos und drittens kann man auf ihr Alkohol trinken. Die entspannte Alternative zum deutschen Strassenbahn-Rundtrip mit Fluessigproviant. Nach der 25 minuetigen Fahrt MUSS man aussteigen, kann aber sofort wieder einsteigen und zurueck fahren. Hafenrundfahrt light.

Water-Taxi

Eine Sommeraktivitaet fuer 20 Dollar pro Tag mit Hop-on, Hop-off Service und einem halben Dutzend Haltestellen an der Kueste Manhattans. Man sieht die Stadt wie man sei beim Durchlaufen schon gesehen hat, aber mit ein paar tollen Stellen um die Photos zu schiessen, die man schon tausende Male von anderen gesehen hat. Man sieht die Wasserfaelle, faehrt unter der Brooklyn Bridge durch, sieht den Financial District vom Hudson aus, kann die Intrepid vom Wasser aus photographieren und das gewohnt grandiose New Yorker Wetter bewundern.

New Jersey Ferries

Die Faehre nach Jersey kostet 8 Dollar pro Fahrt (einmal uebern Fluss). Der Zug (PATH ab dem WTC) kostet 1,75. Demzufolge nehm ich lieber den Zug und schreibe darueber in einem anderen Traffic Special.

Sonstiges

In Boston und in New York werden Touren mit Amphibienfahrzeugen angeboten. Keine Ahnung in welcher Preiskategorie aber man faehrt ne halbe Stunde auf dem Wasser und danach ne Stunde durch die Stadt. Ich schaetze mal, dass man in der Zeit einiges zu sehen und zu hoeren bekommt aber unter 30 Dollar wird sich da wohl nix machen lassen. Alternativ waere auch ein Schnellboot verfuegbar. Furchtbar schnell, garantiert lustig und teuer einmal rum um die Insel. Oder mit der Circle Line an Lady Liberty, Ellis Island und Manhattan vorbei. Entspannt aber mit Touristenpreis. Irgendwo kann man sich auch auf nen Segelboot setzen und sich rumfahren lassen... Aber Segeln ist ja was fuer alte Maenner.

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Duell zur Primetime.

Da die beiden Profis nix Neues zu erzählen haben und keine Fehler machen ist das Vize-Präsidenten-Duell für mich das eigentlich spannende. Und ich schrieb mit:

1. Guter Zug. Aber sehr amerikanisch. "Kann ich dich Joe nennen?"
2. Exzellenter Einstieg für Biden. Fundiert, aggressiv, strukturiert.
3. Boom. Die "Soccer Mum" kommt Klischee. Schlägt sich danach aber ganz gut.
4. Sie kommt rüber wie eine Dorfpomeranze. Angriffe kurz über der Gürtellinie, dieses Grinsen und weniger gut mit Fakten hinterlegte Argumentation.
5. Sie versteckt sich hinter McCain Politik. Keine eigene Position
6. Und erneut die "Hockey Mom's"! Das macht man zweimal... aber nicht als Dauerläufer.
7. Klasse Überleitung! Bankenkrise --> Spritpreise. Und das alles über Deregulierung. Der Mann hat seine Hausaufgaben gemacht.
8. Biden: Parade, Konter, Treffer-Versenkt. Palinn: Gluck gluck.
9. Den Zuschauer ansprechen. Gut, Joe.
10. Palin hat was gefunden. Und dann kommt sie mit der Patrioten-Karte. Böses Foul... Aber sie betont, die individuelle Freiheit der Wirtschaftenden. Nur meint sie damit freien Kapitalismus.
11. Ihre Angriffslustigkeit ist irgendwie zum Fremdschämen. Denn sie erinnert dabei an eine gekränkte Frau: immer ein wenig am Thema vorbei mit Vorwürfen an jeder Ecke ohne eine exakte Auseinandersetzung mit den Erwiderungen.
12. Hui. Biden holt auch die Patrioten-Karte raus. Aber besser eingesetzt.
13. Und Palin weicht aus und wechselt das Thema. Kommt mit persönlichen Geschichten und erzählt - im Gegensatz zu Biden - Storys.
14. Biden lobt Palin. Clever. Und gleichzeitig haut er McCain eine rein. Genial.

Meine Mitbewohnerin mag Palin. Ihre Aggressivität kommt wohl gut an. Aber sie sagt auch das Palin ausweicht. Und das sie die zwei, drei Stotterer von Biden als Schwäche wertet. Amerikaner sehen das wohl auf einer nicht so sachlichen Ebene.

15. Palin kommt bei der Frage nach der Definition von "Ehe" ins schwimmen. Behauptet, das sie tolerant sei. Ich glaube offensichtliche Lügen kommen bei ihr auch nicht besser.
16. Biden lehnt die Homo-Ehe ab. Aber hat größere Zugeständnisse als Palin. Harte Frage im amerikanischen Fernsehn.
17. Bei außenpolitik und dem Irak hab ich jetzt nicht aufgepasst. Auf Dauer ist das auch echt anstrengend... schon 45 Minuten ohne Werbung. Wie halten das die Amis nur aus!?
18. Palin hat nen Aussetzer. Das kommt einem Leberhaken gleich. Aber sie rappelt sich hoch. Und das wo Biden schon wieder kurz stammelte.
19. Hui. Er lachte über einen ihrer Witze.
20. Sie kommt mit der Freude über die Ehre, dass einer von Bidens Söhne in der Nationalgarde ist. Diese Nationalisten kotzen mich an.
21. "That's another story." Darf man sowas als angehende Vizepräsidentin sagen? Das klingt als ob es mich interessieren könnte... aber wenn sies nicht erzählt bin ich frustriert. Und wähle den anderen.
22. Isreal, Iran, Irak. All diese I-Länder kann Palin nicht gut genug zusammenargumentieren. Biden konzentrierte sich auf Pakistan und machte mit dem P und mit Erfahrung den Punkt.
23. Palin will den Krieg. Biden will Diplomatie. Palin will Backup durch die Verbündeten bevor sie den Iran "diplomatisiert". Biden will Gespräche.
24. Beide lieben Israel. Muss ein schönes Land sein... Seine Außenpolitik (oder Innenpolitik?) find ich trotzdem zum kotzen. Vielleicht mögen die beiden das Land deshalb.
25. Biden bringt einen bösen Vorwurf der auch in den USA greift: McCain ist genauso wie Bush. Palin kontert damit, dass sie in Afghanistan das machen will was Bush bisher nicht in Afghanistan machen wollte. DAS ist doch mal echt ein Unterscheidungsmerkmal!
26. Palin hat einige infantile Vorstellungen über Atomwaffen.
27. Biden fing so gut an. Und musste dann korrigieren. Sowas ist "schwach". Außerdem hat er regelmäßig Zeitprobleme. Schade.
28. Kann Ex-Yugoslawien als Beispiel für den Irak dienen? Falls die Amis wissen was Yugoslawien ist, hat Biden einen weiteren Punkt. Ansonsten redet er gerade langweiliges Zeug.
29. Palin kontert auf unglückliche Weise mit einem persönlichen Angriff. Könnte trotzdem funktionieren, da er geschickt mit dem Vorwurf der Unentschiedenheit und der Unterstützung McCain kombiniert wurde.
39. Biden kontert. Palin weicht auf die Helden-Vergangenheit von McCain aus.
40. Biden sagt, das McCain nix von Bush unterscheidet, das Bush alles falsch macht und Palin kontert mit "Sie gucken nur zurück und nicht vorwärts!"
41. Palin bringt erneut einen Lacher an. Hab ich aber nicht verstanden... Und sie hat ne Lache... Junge.
42. Sie scherzt mit der Moderatorin... und gewinnt die Humor-Ecke für sich.
43. Biden kennt die Verfassung und seine Rolle. Das Problem ist, dass diese als Vice-President sehr passiv ist. Palin konnte da sicher mit mehr Aktivität einen Punkt holen.
44. Mmmh. Sie nennt es Unflexibilität er nennt es Profil und Verlässlichkeit. Das Alter und ein paar widerspenstige Bemerkungen in der Vergangenheit könnten beim Ami nicht so gut ankommen.
45. "They are looking for change." Da spricht die Hockeymum wahr.
46. Biden wird aggressiver. Steht ihm gut.
47. Die Schlußworte: Ihr war es eine Ehre und sie hatte Spass an der Herausforderung. Außerdem kämpft sie für Amerika und sie ist stolz. Ansonsten langweilt mich ihr Patriotismus und ihre platten Worte.
48. Er siehts lockerer. Ausgesprochen entspannend. Er greift gleichzeitig an, betont eigene Vorteile und bringt wieder Argumente. Und statt Reagan zitiert er seinen Vater. And may god bless America and our troops. Genial!

Die Würfel sind geworfen. Nun warten wir wie sie fallen und welches Urteil Amerika spricht.

Woanders zuhause.

Seit 10 Wochen bin ich nun in New York. Und zwar nur in New York. Schlimm wie wenig man rauskommt wenn man woanders ist... Und der Ausflug nach Boston ist auf nächste Woche verschoben.

Um aber wieder mal ein bißchen Lesefutter zu generieren:

  • Die meisten Türschlösser, Riegel,... muss man falschherum drehen um sie zu öffnen bzw. zu schließen.

  • Filtertüten sehen hier völlig anders aus. (Sind in der Bedienung aber einfacher. Der Kaffee ist trotzdem überall durchsichtig.)

  • Klopapier rollt man hier meistens falschrum ab (zur Wand - Barbaren!). Dafür sind die Klos meistens streifenfrei sauber (was auch an der Unmenge Wasser liegen könnte die eine Spülung verbraucht.)

  • Die Mehrwertsteuer ist nicht überall im Preis enthalten. Dafür aber manchmal zusätzlich das Trinkgeld. Eine furchtbare Sache! Ähnlich schlimm sind nur imperiale Einheiten (Meile, Unze,..)

  • Das Hausnummernsystem ist toll: Vierstellig und die ersten beiden Stellen geben in etwa die Straße an in der sich ein Haus befindet. 61-20 Grand Central Parkway ist also der Gr. Central Pkwy in Höhe der 61. Straße. Erspart einem langes Suchen und man endet nicht am falschen Ende.

  • Luft aufpumpen an der Tanke kostet 75 cent.

  • Wenn es regnet können Amerikaner gar kein Auto mehr fahren. Die Zeit zur Arbeit verdoppelt sich bei Pendlern wenn der Himmel heult.